Cover: Menace Beach - Ratworld

Schickeria-Indie geht anders: das Debüt von Menace Beach setzt auf brachialen Noise und glänzt geradezu mit dreckigen Gitarren-Riffs. Während die Veröffentlichungen aus London in der jüngsten Vergangenheit eher sauber grazilen Indiepop präsentierten, orientiert sich diese Band eher am klassischen US-Independent-Rock.

Der Sound rumpelt verzerrt wie die frühen Pavement, erinnert an wüsten College-Rock und beste Garage-Manier. Für letzteres dürfte wohl vor allem MJ von den Hookworms gesorgt haben, der nicht nur für die Produktion, sondern auch für die Gitarre verpflichtet wurde. Seine Signatur tritt vor allem in der Garage-Tendenz der schleppend-euphorischen Stücke wie "Drop Outs" oder "Fortune Teller" (Orgel-Tunes inklusive) deutlich zutage, die zum Teil stark an die letzte Hookworms-Platte erinnern.

Die wirren, elastischen und treibenden Gitarrenwirbel auf dem gerade mal 104 Sekunden langen "Lowtalkin´" sind dann wiederum klare Sonic Youth-Referenzen. Die Single "Come On Give Up" und der raue, verstärkerverknallte Titeltrack erinnern vom schrammeligem, aber melodischen Gerüst her dann durchaus an den frühen, noch ganz ungefilterten Noisepop von Yuck. 

Das könnte alles als ulkige Slacker-Attitüde durchgehen, wenn sich nicht auch wesentlich sensiblere Klänge in die Scheibe gemischt hätten: "Blue Eye" verzichtet auf Drums und ist nicht nur Verschnaufspause, sondern bestes Beispiel für den engelsgleichen Gesang von Liza Violet, der sich sonst mit der Stimme von Ryan Needham kreuzt. Oder der Paargesang auf den Lo-Fi-Spuren von "Pick Out The Pieces", der schon fast an die Romantik von Big Deal denken lässt. Hinter all dem Krach und Schmutz und Staub steckt bei Menace Beach eben auch ein solides Gespür für Melodie, hinter der zum Teil auch sehr persönliche Texte stecken.

Auch wenn die Roots der Band unübersehbar sind, biedern sich Menace Beach ihren Idolen keineswegs an. Um als reines US-Indie-Rock-Imitat gelten zu können, wirkt "Ratworld" letzten Endes auch einen Hauch zu detailverliebt, was der Spielfreude und ungeschliffenen Produktion aber keinen Abbruch tut. Ein souveränes Debüt, das gerade wegen seiner Kanten eine runde Sache geworden ist. (Philipp Kressmann | CT das radio)

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